Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt: 90 Prozent der Bevölkerung sehen Defizite im Bildungssystem als größte Gefahr für Deutschlands Zukunft. Damit rangiert Bildung vor gesellschaftlichen Spannungen und sozialer Ungleichheit. Der Deutsche Philologenverband wertet das als „klaren Auftrag“ an die Politik, Bildung zur Kernaufgabe zu machen.
Bildung rangiert vor gesellschaftlichen Spannungen
Probleme im Bildungssystem bereiten der Bevölkerung mehr Sorgen als jedes andere abgefragte Thema. Das zeigt die Forsa-Umfrage „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“, die vom DBB Beamtenbund und Tarifunion beauftragt wurde. Bildung liegt bei den befragten Bürgerinnen und Bürgern mit 90 Prozent an der Spitze der Risikowahrnehmung. Dahinter folgen gesellschaftliche Spannungen (88 Prozent) und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich (85 Prozent). Auch zunehmender Rechtsextremismus (70 Prozent) und der Klimawandel (62 Prozent) folgen in der Rangfolge hinter dem Thema Bildung.
Philologenverband sieht klaren Auftrag an die Politik
„Diese Zahlen sind kein Ausdruck von Resignation, sondern ein klarer Auftrag, den Blick nach vorn zu richten“, erklärt Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV). „Die Menschen wissen: Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich im Klassenzimmer. Sie verstehen Bildung ganz klar als priorisierte politische Aufgabe zur Sicherung unserer Demokratie, unserer Wirtschaftskraft, unserer Freiheit und Sicherheit.“
Bemerkenswert ist zudem die parteiübergreifende Übereinstimmung in der Problemwahrnehmung. Unabhängig von politischer Orientierung halten große Mehrheiten die Lage im Bildungswesen für (sehr) problematisch. Zugleich zeigt die Studie, dass 68 Prozent der Befragten dem öffentlichen Dienst – und damit auch den Schulen – eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zuschreiben.
Leistungsförderung und konkrete Maßnahmen
Für den Deutschen Philologenverband steht fest: Eine zukunftsfähige Bildungspolitik muss Leistungsförderung wieder in den Mittelpunkt rücken. Nur so können selbstdenkende, verantwortungsbewusste und aktiv teilhabende junge Menschen heranwachsen, die unsere Demokratie schützen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sichern und unserem Land eine positive Perspektive eröffnen.
„Bildungspolitik darf sich nicht im Krisenmanagement erschöpfen. Sie braucht eine klare Zukunftsagenda, die Leistung ermöglicht, Qualität sichert und Verlässlichkeit garantiert“, betont Lin-Klitzing.
Als konkrete Maßnahmen nennt der DPhV unter anderem eine diagnoseindizierte vorschulische Förderung als verbindlichen Bestandteil früher Bildung und eine verbindliche Schulartempfehlung als Grundlage passgenauer Bildungswege. Außerdem betont der Verband, dass Schülerinnen und Schüler wieder mehr wissen und mehr können müssen, und unterstreicht die Bedeutung der Rechtschreibung als Schlüssel gelingender Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe. In der Lehrkräftebildung fordert der DPhV eine qualitativ hochwertige Ausbildung in allen drei Phasen – auch in Zeiten des Lehrkräftemangels – ohne Abstriche bei der Fachlichkeit, ohne „duale“ Kürzungsmodelle und ohne die Ausbeutung von Studierenden und Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern zur bloßen Unterrichtsabsicherung.
Der DPhV ist überzeugt, dass aus der aktuellen Problemdiagnose eine Erfolgsgeschichte werden kann, wenn Politik konsequent in Bildung investiert und die Leistungsförderung stärkt. Die Forsa-Zahlen seien kein Abgesang auf das Bildungssystem, sondern eine Aufforderung, Bildung entschlossen als Zukunftsaufgabe zu begreifen – für starke Schulen, eine stabile Demokratie und ein leistungsfähiges Deutschland.
Website des Deutschen Philologenverbands