Die neue PISA-Studie zeichnet ein ernüchterndes Bild des deutschen Bildungssystems. Die Leistungen der 15-Jährigen liegen in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. Rund ein Drittel erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau.
Deutlich mehr Jugendliche ohne ausreichende Basiskompetenzen
Der Anteil der Jugendlichen, die das grundlegende Kompetenzniveau nicht erreichen, ist in Deutschland weiter gestiegen. In den Naturwissenschaften betrifft das inzwischen etwa ein Viertel der Jugendlichen, im Lesen und in Mathematik jeweils rund ein Drittel. Damit fehlen ihnen nach Einschätzung der Bildungsministerkonferenz wichtige Voraussetzungen für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in allen drei Bereichen nur noch im OECD-Durchschnitt: 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 beim Lesen und 464 in Mathematik. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung im Langzeitvergleich: Die deutschen Ergebnisse liegen in allen drei Bereichen unter dem Niveau der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000.
Soziale Unterschiede so groß wie nie
Nicht nur die Leistungen insgesamt sind gesunken, auch die Unterschiede nach sozialer Herkunft haben sich verschärft. Die Kompetenzunterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen haben in Deutschland weiter zugenommen und sind heute so groß wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000.
Damit entwickelt sich Deutschland gegen den OECD-Trend. Dort verringerte sich der Leistungsabstand zwischen sozioökonomisch begünstigten und benachteiligten Jugendlichen zwischen 2022 und 2025. Das lag allerdings vor allem daran, dass die Leistungen der Begünstigten zurückgingen, und weniger an Verbesserungen bei den Benachteiligten. Die Bildungsministerkonferenz bezeichnet die wachsende soziale Ungleichheit als „besonders besorgniserregend“.
Trotz Abwärtstrend: Einige Staaten verbessern ihre PISA-Leistungen
Interessant ist im internationalen Vergleich, dass der Leistungsrückgang nicht zwangsläufig ist. Während die Ergebnisse in vielen Staaten zurückgingen, verbesserten einige Bildungssysteme in den vergangenen zehn Jahren ihre Leistungen in den Naturwissenschaften. Dazu zählen unter anderem Litauen, die Slowakei, Türkei, Macau (China), Montenegro, Katar, Thailand, die Vereinigten Arabischen Emirate und Uruguay. In einigen Ländern gelang es zudem, den Anteil besonders leistungsstarker Jugendlicher zu erhöhen und zugleich den Anteil der Leistungsschwachen zu senken.
Als Merkmale erfolgreicher Bildungssysteme nennt die OECD unter anderem Investitionen in Lehrkräfte, die Konzentration auf ausgewählte Lerngebiete und gezielte Unterstützung für Schüler und Schulen mit besonders großem Bedarf.
Mehr Förderung nach schlechten PISA-Ergebnissen
Bund und Länder haben bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Basiskompetenzen zu stärken, früher und gezielter zu fördern und die Unterrichtsqualität weiterzuentwickeln. Nun soll genauer geprüft werden, welche Maßnahmen wirken und welche erfolgreichen Ansätze breiter eingesetzt werden können. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die neben Bund und Ländern auch Eltern, Kinder- und Jugendhilfe, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Verantwortung tragen. „Das ist entscheidend für Deutschlands Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Dafür braucht es keinen kurzfristigen Aktionismus, sondern einen langfristigen gemeinsamen Kurs.“
„PISA 2025 zeigt, dass dem Leistungsrückgang bei den Schülerinnen und Schüler dringend entgegengewirkt werden muss. Die erfolgreichsten Bildungssysteme konzentrieren sich auf ausgewählte Lerngebiete und behandeln diese vertieft, investieren in die Lehrkräfte, beziehen die Eltern ein und unterstützen gezielt Schülerinnen und Schüler und Schulen mit dem größten Bedarf“, so OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.
Rekord: 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern befragt
Die PISA-Studie untersucht regelmäßig, wie gut 15-Jährige Kenntnisse und Fähigkeiten in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften anwenden können. Für Pisa 2025 nahmen so viele Jugendliche teil wie noch nie: weltweit rund 760.000 aus 91 Ländern und Volkswirtschaften, in Deutschland rund 6.700. Den deutschen Teil führte das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der Technischen Universität München im Auftrag von Bund und Ländern durch. Die OECD führt PISA seit 2000 durch. Ziel ist der internationale Vergleich von Bildungssystemen.
Basiskompetenzen stärken auch Finanzbildung
Basiskompetenzen wie Lesen und Mathematik sind auch beim Umgang mit Geld wichtig. Sie helfen etwa dabei, Einnahmen und Ausgaben zu überblicken, Informationen rund ums Bezahlen oder Sparen zu verstehen und wirtschaftliche Zusammenhänge nachzuvollziehen. Genau solche Themen greift das Schulserviceportal Jugend und Finanzen auf. Es stellt Lehrkräften kostenfreie Unterrichtsmaterialien zur finanziellen Allgemeinbildung zur Verfügung und bietet einen bundesweiten Überblick über das vielfältige und umfassende Bildungsengagement der genossenschaftlichen FinanzGruppe.
Infos zur PISA-Studie auf der OECD-Website
PISA-Ergebnisse für Deutschland auf der Website des ZIB
Zu den Unterrichtsmaterialien auf diesem Portal
Ratgeber zur Finanzbildung im Elternhaus